Blasenkrebs

Nicht zwingend ein Todesurteil

Von Eva Herzog · 2014

 Ein älterer Mann blickt auf einen See

Ein Blasenkarzinom macht sich zunächst kaum bemerkbar. Dabei ist eine frühe Diagnose wichtig, um möglichst schonend behandeln zu können. Ist der Krebs schon fortgeschritten, kann das dramatische Folgen für alle anderen Organe mit sich bringen. Glücklicherweise ist das nicht die Regel.

Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jedes Jahr circa 29.000 Menschen an Blasenkrebs. 21.000 davon sind Männer und meistens trifft es Menschen in höherem Alter. Auf der Suche nach der Ursache kommen mehrere Merkmale infrage: Rauchen ist, wie bei fast allen Krebsarten, auch hier Risikofaktor Nummer eins. Aber auch bestimmte chemische Stoffe sind bekannt dafür, Blasenkrebs zu verursachen: die sogenannten aromatischen Amine, zu denen Mitarbeiter bestimmter Industriezweige wie die der Textilindustrie, Gummiindustrie oder Chemie- und Pharmaindustrie Kontakt hatten oder haben. Da sie ausdrücklich als krebserregend eingestuft werden, besitzen Menschen, die damit in Kontakt kommen, ein erhöhtes Risiko für ein Blasenkarzinom.
Laut Deutscher Krebshilfe haben auch Menschen mit einer chronischen Blasenentzündung ein erhöhtes Risiko für ein Blasenkarzinom. Genauso wie Menschen, die mit dem Wirkstoff Phenazetin behandelt wurden, oder eine über Jahre andauernde, tropische Infektionskrankheit wie die Schistosomiasis haben. Selbst harmlos wirkende Süßungsmittel wie Cyclamat und Saccharin, so haben Tierversuche gezeigt, erhöhen das Risiko, an Harnblasenkrebs zu erkranken ganz beachtlich.

Ein Besuch beim Urologen bringt Klarheit

Wie bei so vielen Krebserkrankungen macht sich die Krankheit zunächst recht uncharakteristisch bemerkbar, bis irgendwann deutliche Symptome auftreten, die man vorher nicht kannte: Schmerzen in den Flanken ohne erkennbaren Grund, eine Braunfärbung des Urins, Blutbeimengungen und Störungen beim Wasserlassen, oder der Blasenentleerung – das alles können erste Anzeichen sein. Doch in der Regel stecken andere, harmlose Ursachen dahinter. Eine medizinische Abklärung bringt in jedem Fall Klarheit und begünstigt die Heilungsprognose, sollte tatsächlich Krebs vorhanden sein.
Der Urologe wird zunächst feststellen, ob der Verdacht auf ein Blasenkarzinom begründet ist, oder ob eine andere Erkrankung zugrunde liegen kann. Dazu werden Tastbefunde und auch Urinuntersuchungen sowie Laboruntersuchungen gemacht. Besteht ein begründeter Verdacht, werden weitere Untersuchungen notwendig, wie Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel und/oder eine Ultraschalldiagnose des gesamten Bauchraums. Dabei kann der Arzt anhand möglicher Organveränderungen sehen, ob und wenn ja, wie weit der Tumor fortgeschritten ist. Mit einer Blasenspiegelung kann die Blasenschleimhaut auf verdächtige Stellen hin abgesucht werden, eine Gewebeentnahme per Biopsie hilft, eine Krebserkrankung auszuschließen oder zu bestätigen.
Ist aus dem Verdacht auf eine Krebserkrankung in der Blase Gewissheit geworden, gibt es weitere Verfahren wie CT, MRT und Skelettszintigramm um zu sehen, welche Form der Krebs hat und wo er genau sitzt. Je nach Größe und Aussehen kann der Tumor endoskopisch mithilfe einer Hochfrequenzstrom führenden Schlinge durch die Harnröhre abgetragen werden. Das funktioniert gut, wenn der Krebs nicht bis in die unteren Schleimhautschichten vorgedrungen ist. Diese Methode wird als transurethrale Resektion (TUR) bezeichnet. Transurethral bedeutet: durch die Harnröhre („trans“ = durch, „Urethra“ = Harnröhre). Immerhin siebzig Prozent der Tumoren lassen sich auf diesem Weg entfernen.

Auch eine Ersatzblase ist möglich

Fortgeschrittene Formen des Harnblasenkarzinoms, auch infiltrierender oder invasiver Blasenkrebs genannt, erfordern meist eine offene Operation mit kompletter Entfernung der Blase. Dabei müssen häufig auch benachbarte Organe, beim Mann zum Beispiel die Prostata, bei der Frau möglicherweise die Gebärmutter oder die Eierstöcke entfernt werden. Je nach Krebsart und Stadium kommen auch Strahlen- oder Chemotherapien als Behandlung infrage.
Wurde die Harnblase entfernt, muss sie ersetzt werden. Eine Möglichkeit ist die Neoblase: eine Ersatzblase aus Schlingen des Dünndarms (Ileum) oder auch ein Pouch: ein Harnreservoir aus Dünn- oder Dickdarm mit dichter Öffnung zur Bauchdecke. Auch eine Einpflanzung der Harnleiter in den Mastdarm kommt infrage. Eine regelmäßige, engmaschige Nachkontrolle ist bei Blasenkrebspatienten zwingend notwendig, um einen möglichen Rückfall schnell erkennen und behandeln zu können.

Quelle: Robert Koch-Institut, 2012
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