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Interview

„Blasenbeschwerden – nur ein Frauenproblem?“

Von Dr. R. Pfleger GmbH · 2015

Privatdozent Dr. Wiedemann ist Chefarzt der Urologischen Klinik am Ev. Krankenhaus Witten und Mitglied des Lehrstuhls für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke. Er ist Koordinator des Beckenbodenzentrums Hagen-Witten und Experte für Blasenfunktionsstörungen durch Medikamente und Altersveränderungen der Harnblase.

 

Herr Dr. Wiedemann, Männer: Prostata, Frauen: Reizblase – geht diese Rechnung auf?

Tatsächlich werden Harntraktbeschwerden bei Männern häufig automatisch mit der Prostata assoziiert. Die Verhältnisse sind aber weitaus komplizierter.

Wie ist das zu verstehen?

Die komplexe Harnblasensteuerung kann durch eine Vielzahl von Erkrankungen selbst, aber auch durch ihre Medikation in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bedeutet dies komplizierte Untersuchungen?

Meist gelingt es, durch die Angaben des Patienten über die Schwere seiner Beschwerden, die Dauer und Charakteristik eine vorläufige Diagnose zu stellen. Treten Beschwerden wie bei einer Prostatavergrößerung bei jüngeren Männern, Männern mit eher kleiner Prostata und vielen Begleitmedikamenten auf, ist der Spezialist gefragt.

Wie sieht die Therapie bei Männern aus?

Zunächst wird die Prostatavergrößerung behandelt. Hier kommen in erster Linie die so genannten prostataselektiven Alpha-Blocker zum Einsatz. Sie entspannen die Prostata, erhöhen den Urindurchfluss und führen schon nach wenigen Tagen zu einem verbesserten Wasserlassen. so genannte 5-Alpha-Reduktase-Hemmer reduzieren den Prostata-Stoffwechsel – dies aber leider erst nach drei bis sechs Monaten. Heutzutage modern: die Kombinationstherapie mit so genannten Anticholinergika.

Sind das nicht Medikamente zur Behandlung einer überaktiven Blase?

Medikamente dieser Gruppe dämpfen häufigen und nächtlichen Harndrang. Früher setzte man sie kaum ein, weil man einen Harnverhalt bei Männern mit Prostatavergrößerung befürchtete. Ein Harnverhalt unter ihrer Therapie stellt aber eine Rarität dar.

Sie sprechen von einer Gruppe von Anticholinergika – sind alle Substanzen gleich zu bewerten?

Trospiumchlorid ist das einzige Anticholinergikum, das nicht im Gehirn anflutet und somit keine Müdigkeit, keinen Schwindel oder Konzentrationsmangel auslöst. Ein weiterer Vorteil dieser Substanz ist, dass sie nicht über die Leber abgebaut wird und ihre Wirkspiegel damit nicht schwanken können.

Welche Rolle spielt Botulinum Toxin in diesem Zusammenhang?

In der Urologie ist Botulinum Toxin, das in Narkose in die Blasenwand injiziert werden muss, zugelassen für neurologisch verursachte Blasenfunktionsstörungen und die so genannte therapieresistente überaktive Blase. Es kommt dann zum Einsatz, wenn die oben erwähnten Anticholinergika nicht wirken. Dies ist aber selten der Fall.

Kontakt

Dr. R. Pfleger GmbH
Dr.-Robert-Pfleger-Str. 12
96052 Bamberg
E-Mail: info@dr-pfleger.de
Web: www.dr-pfleger.de

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