Vorsorge für Männer

Gesundheitsmuffel Mann

Von Tobias Lemser · 2024

Dass sich Männer zu wenig um ihre Gesundheitsvorsorge kümmern, ist bekannt. Dabei ließen sich durch regelmäßige Check-ups viele schwere Krankheiten vermeiden – ob Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Welche Früherkennungsprogramme gibt es, und warum ist ein Screening der Bauchaorta ab 65 so ratsam?

Kalendereintrag
Schon den nächsten Termin für die Vorsorgeuntersuchung gemacht? Foto: iStock / Stadtratte

Fußballer Joshua Kimmich hat es im November bereits getan, genauso wie US-Schauspieler Brad Pitt und der kanadische Premierminister Justin Trudeau: Was sie eint? Für die Aktion „Movember“, eine Wortkreuzung aus „mous-tache“ (englisch für Schnurrbart) und November, ließen sie sich einen Oberlippenbart wachsen. Ziel der aus Australien stammenden Aktion: auf eine bessere Männergesundheit aufmerksam zu machen. Im Fokus unter anderem psychische Erkrankungen, wie Depressionen, sowie Prostata- und Hodenkrebs.

Vorsorge für Männer: An Frauen ein Beispiel nehmen

Denn fest steht: Laut der führenden Wohltätigkeitsorganisation Movember sterben Männer weltweit durchschnittlich 4,5 Jahre früher als Frauen – zumeist aus Gründen, die weitestgehend hätten vermieden werden können. Oft gehen sie erst in eine Arztpraxis, wenn die Beschwerden bereits da sind – obwohl die Behandlungsmöglichkeiten frühzeitiger oft viel besser wären. Kümmern sich die meisten Frauen aktiv um ihre gesundheitliche Vorsorge, ist der Nachholbedarf bei Männern groß – was Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestätigen. Demnach nehmen laut jüngster Erhebung nur 40 Prozent der Männer ab ihrem 35. Lebensjahr regelmäßig an Untersuchungen rund um die Krebsfrüherkennung teil. Bei den Frauen ab 20 waren es hingegen 67 Prozent. Auch wenn Männer gerade im Alter ihre eigene Gesundheitsvorsorge verstärkt angehen, bleibt die Geschlechterschere vorhanden: Unter den 60- bis 69-Jährigen nehmen 59 Prozent der Männer und 76 Prozent der Frauen Präventionsmaßnahmen ernst.

Grafik: Die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen

lieber Vorsorgen statt reparieren

Ob gegen Darm-, Haut- oder Prostatakrebs: Bundesweit gibt es für Männer gesetzliche Vorsorgeangebote für die Bestimmung dieser drei Krebsarten. Los geht es ab dem 35. Lebensjahr mit dem Hautkrebs-Screening. Bei dieser Krebsfrüherkennung, deren Kosten – wie auch jene der anderen Untersuchungen – die Krankenkasse übernimmt, wird der gesamte Körper dermatologisch mittels sogenanntem Auflichtmikroskop nach auffälligen Hautveränderungen wie Leberflecken auf ihre Gut- oder Bösartigkeit untersucht. Das Gute: Werden bösartige Befunde in einem frühen Stadium festgestellt, lässt sich der Hautkrebs in der Regel schonender und besser behandeln, was wiederum für Betroffene die Heilungschancen erhöhen kann.

Prostata- und Darmkrebs

Zur Früherkennung von Prostatakrebs kann in Deutschland jeder krankenversicherte Mann ab 45 Jahren jährlich eine Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm in Anspruch nehmen. Kein Bestandteil der gesetzlichen Früherkennung ist dagegen der PSA-Test: Dieser misst im Blut den Wert desprostataspezifischen Antigens (PSA). Da Darmkrebs, also Krebs im Dick- und Enddarm, in Deutschland bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung ist, haben Männer zusätzlich die Möglichkeit, ab dem Alter von 50 Jahren regelmäßig eine Untersuchung zur Darmkrebs-Früherkennung durchführen zu lassen. Dieser besteht im Alter von 50 bis 54 Jahren aus einem jährlichen Stuhltest sowie ab 50 alle fünf Jahre aus einer Darmspiegelung. Klar ist: Seit im Jahr 2002 beschlossen wurde, dass die Koloskopie zur Prävention von Darmkrebs von den Krankenkassen bezahlt wird, sind die Neuerkrankungen tatsächlich rückläufig – auch weil man relativ viel Zeit hat, die Vorstufen oder gar eine Tumorerkrankung mittels Darmspiegelung früh zu erkennen beziehungsweise eine fortgeschrittene Erkrankung zu verhindern.

Vorsorge für ein gesundes Herz

Aber auch Diabetes und Nierenleiden, genauso wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich durch regelmäßige Check-up-Untersuchungen beim Hausarzt oder der Fachärztin für Innere Medizin rechtzeitig erkennen. Hierfür steht der sogenannte „Check-up 35“ zur Verfügung. Nach der Anamnese, bei der zunächst die medizinische Vorgeschichte erfragt wird, steht eine vollständige körperliche Untersuchung von Herz, Lunge, Kopf, Hals, Bauch und Wirbelsäule im Vordergrund. Zudem wird der Blutdruck gemessen. Zusammen mit dem Cholesterinwert, welcher unter anderem über eine Blutprobe ermittelt wird, kann der Blutdruck auf Risiken für Arteriosklerose oder für einen Herzinfarkt hinweisen. Auch wird inzwischen ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und C angeboten. Diese Untersuchung ermöglicht es, bis dato unerkannte Virusinfektionen frühzeitig zu behandeln, um schwere Spätfolgen zu vermeiden.

Lebensrettende Aorta-Untersuchung

Was nicht jeder weiß: Seit dem Jahr 2018 haben Männer über 65 Jahre ebenso einen Anspruch auf eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Aneurysmen der Bauchschlagader (Aorta). Bei Männern in dieser Altersstufe findet sich sechsmal häufiger ein Aneurysma der Bauchaorta als bei Frauen. Ziel dieser Untersuchung ist es festzustellen, ob durch etwaige Aussackungen das Risiko einer Ruptur besteht. Reißt ein solches Aneurysma ein, überleben nur 20 Prozent der Betroffenen den massiven Blutverlust. Wie nötig der Schritt zu einem Screeninganspruch für Männer ab 65 Jahren als Hauptrisikogruppe war, untermauern Zahlen aus Schweden. Hier wurde bereits im Jahr 2006 mit einem solchen Programm begonnen. Inzwischen konnte dort die Anzahl der tödlichen Verläufe bei Männern mit einem Aneurysma der Aorta im Alter über 65 Jahren durch Einnähen eines Ersatzgefäßes fast halbiert werden.

Auf einen Blick: PSA-Wert und PSA-Test

PSA ist die Abkürzung für „prostataspezifisches Antigen”. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das nur die Drüsenzellen der Prostata herstellen. Auch Prostatakrebszellen schütten PSA aus, und zwar in viel größeren Mengen als gesunde Prostatazellen. Der PSA-Test dient daher der Früherkennung von Tumoren in der Prostata. Je höher der PSA-Wert ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung. Bei gesunden Männern liegt der PSA-Normalwert zwischen null und höchstens vier ng/ml.

Für den PSA-Test entnehmen Fachkräfte in der Arztpraxis eine Blutprobe und schicken sie in ein Labor. Nach einigen Tagen liegt das Ergebnis vor. Der PSA-Test gehört zu den Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) – und muss daher vom Patienten selbst bezahlt werden (Kosten inklusive Beratung: circa 50 Euro). Ein erhöhter PSA-Wert kann auch folgende Ursachen haben: Prostataentzündung, gutartige Prostatavergrößerung, Einnahme bestimmter Medikamente, Harnwegsentzündung, Druck auf die Prostata oder Sex und Ejakulation.

Nur bei etwa einem von vier Männern mit auffälligem Testergebnis findet sich tatsächlich Krebs. Ein unauffälliges Testergebnis bedeutet nicht, dass mit Sicherheit kein Prostatakrebs vorliegt. Manchmal liegt der PSA-Wert trotzdem im normalen Bereich. Fachleute sprechen sich weder für noch gegen die Früherkennung mittels PSA-Test aus. Es gibt Hinweise, dass er Todesfälle durch Prostatakrebs verhindert. Gleichzeitig besteht das höhere Risiko einer Überbehandlung. Die Entscheidung für oder gegen den PSA-Test ist eine individuelle und basiert auf einem ausführlichen ärztlichen Beratungsgespräch.

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