Elektrische Impulstherapie

Neue Therapie bei Prostatakrebs

Von Gabriele Hellwig · 2014

Irreversible Elektroporation nennt man ein neues Verfahren, das vor allem Patienten mit Prostatakrebs neue Hoffnung macht: Mit starken elektrischen Impulsen wird die Membran von Tumorzellen durchlöchert. Diese verlieren dadurch ihre Stabilität, begeben sich in den freiwilligen Zelltod – der Prostatakrebs löst sich im Nichts auf.

 Mann beim Spaziergang auf einem Feldweg

Der Prostatakrebs ist der häufigste Krebs des Mannes vor dem Lungen- und Darmkrebs. In Deutschland schätzt man die Zahl der Neuerkrankungen auf jährlich 70.000. Die Heilungsaussichten beim Prostatakrebs sind gut, wenn die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert wird. „Goldstandard“ bei Prostatakrebs ist immer noch die Operation. Ziel ist es, möglichst den ganzen Tumor zu entfernen. Alternativ wird oft die Bestrahlung durchgeführt. Sie kann auch ergänzend zur Operation durchgeführt werden – und zwar dann, wenn das verkrebste Gewebe nicht mehr vollständig durch die op entfernt werden konnte. Hat der Tumor schon Metastasen im ganzen Körper gebildet, ist oft eine Chemotherapie angebracht. Der Nachteil: Alle Behandlungsmethoden können zu einem Verlust der Potenz führen. Inkontinenz ist ebenfalls eine gefürchtete Nebenwirkung der Prostatakrebsbehandlung. Durch neue Therapien versucht man nicht nur, den Prostatakrebs noch besser zu heilen, sondern auch die Potenz in einem größeren Maße zu erhalten und Inkontinenz zu vermeiden.

Potenz bleibt erhalten

Bei der so genannten Irreversiblen Elektroporation (IRE) kann die Potenz erhalten bleiben, Inkontinenz ist ebenfalls nicht zu befürchten. Denn das neue Verfahren, das derzeit in verschiedenen deutschen Kliniken erprobt wird, ist lokal begrenzt, umliegendes Gewebe wird geschont.
Die Irreversiblen Elektroporation nutzt die zerstörerische Kraft von Strom: Unter Bildkontrolle per Computertomografie führt der Radiologe mehrere Sonden an den Krebsherd. Dann wird der Tumor für den Bruchteil einer Sekunde einer sehr hohen, mehrere Tausend Volt betragende Spannung ausgesetzt. Dieser „Elektroschock“ führt dazu, dass sich die Membranen öffnen und die Zellen platzen. Die Zellen begehen quasi einen freiwilligen Zelltod (Apoptose). Wie jede abgestorbene Zelle werden sie nun vom Körper entsorgt. Der Krebs löst sich auf. Andere Gewebestrukturen – darunter vor allem Blutgefäße, Lymph- und Nervenbahnen – bleiben unberührt von den Stromstößen.

Schonendes Verfahren

Die IRE-Behandlung der Prostata wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden, je nach Befund. Das neue Verfahren ist so schonend, dass die Patienten in der Regel schon am nächsten Tag die Klinik wieder verlassen können und sich schnell erholen.
Diese Methode eignet sich nicht nur für Patienten mit Prostatakrebs, sondern wird zunehmend auch bei Leber- und Nierenkrebs angewendet. Denn auch hier handelt es sich um sehr sensible Areale. Andere Mediziner versuchen, mit der Irreversiblen Elektroporation auch Metastasen verschwinden zu lassen, um die Lebensqualität von Krebskranken im fortgeschrittenen Stadium zu verbessern. Dabei kann die Strom-Methode auch mit einer Chemotherapie kombiniert werden.

 

 

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